Artikel-Schlagworte: „Fessel des Ego“

Co-Abhängigkeit – Kontrolle durch Andere

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Rolf Goertz

Aus meiner Psycho-Sprechstunde

Haben Sie es auch schon erlebt, dass Ihre Versuche, sich gegen das Alleinsein oder das Kontrollliertwerden durch sich selbst oder durch Andere, die dadurch hervorgerufene Leere in sich selbst zu einem Griff nach Suchtmitteln führen?
 

Oftmals resultiert dies aus einer geringen persönlichen Selbstachtung, gepaart in Sorge und Stress. Dieses Unbehagen vergrößert noch mehr das Gefühl des Alleinseins und der Leere. Das Resultat ist: wir gehen mit einer Bürde von Scham- und Schuldgefühlen durchs Leben.
 

Scham und Schuld

Schuld, weil wir glauben, dass wir Falsches tun.
Scham, weil wir glauben, etwas mit uns stimmt nicht.


 

Werte durch Andere – Co-Abhängigkeit

In meiner Sprechstunde habe ich viele Co-Abhängige gesehen, die durch andere Menschen mit falschen Glaubensmustern geprägt waren. Die Sätze: „Du solltest…“ haben sie erfahren und verinnerlicht. Dabei haben sie im Laufe der Zeit ihre Macht über sich selbst abgegeben und wurden durch andere in ihrem So-sein definiert.

Diese falsche Prägung wurde uns oft schon in der Kindheit von unseren Eltern oder von anderen Erwachsenen mitgegeben. Eltern, die Dinge gesagt haben:“Du machst mich verrückt“, „Du machst mich, was Du tust, unglücklich“ oder „Wenn Du dies weitermachst, werde ich wütend“. Das Resultat war, dass wir uns wie Puppenspieler in einer gewissen Art und Weise fühlen und verhalten sollten.
Die Folge dessen war, dass diese falschen Überzeugungen sich zu eigen gemacht wurden, mit dem Ziel, andere Menschen machen uns glücklich oder unglücklich. Ebenso seien wir verantwortlich für die Gefühle anderer.



 

Nehmende und Umsorgende

Wenn keine andere Person in der Nähe ist, Fürsorge zu leisten, sind die „Nehmenden“ nur bereit, für sich selbst zu sorgen. Mit der Überzeugung, sich erst dann wohl zu fühlen, wenn andere ihnen Liebe und Fürsorge und Selbstbestätigung geben.

Hingegen verlieren „Umsorgende“ den Kontakt zu sich selbst, weil sie glauben, sie seien verpflichtet, anderen zu geben, was diese sich auch wünschten. Auch vor dem Hintergrund, dass es nicht das ist, was sie für sich selbst wünschen. Die „Umsorgenden“ verlieren sich selbst, weil sie glauben, für die Gefühle von anderen selbst verantwortlich zu sein aus der Furcht heraus, nicht von anderen geliebt zu werden.

Co-Abhängigkeit in einer Paarbeziehung

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© www.chris-goertz.de

 
Diese Co-Abhängigkeit sehe ich oftmals bei Paaren, wobei die einzelnen Partner wie verlassene Kinder in ihrer gemeinsamen Verletztheit handeln.
 
Die Verantwortung für eigenes Glück haben sie abgegeben und dem jeweils anderen Partner übertragen. Das Ergebnis ist, die Schuld für eigenes Unglück wird dem anderen aufgebürdet.
 
Wenn wir uns selbst nicht lieben können oder uns von dem anderen „bedroht“ fühlen, wie kann ich dann den anderen in seiner Persönlichkeit wahrnehmen, wertschätzen und lieben?
 
Zuoft sieht man die Angst vor dem Verlassenwerden und dem Verschlungenwerden durch den Partner in den Augen der Ratsuchenden. Diese wiederum suchen Schutz vor ihren Ängsten, in dem sie selbst kontrolllierend wirken. Der Kontrolllierende wiederum sucht seinerseits seinen Schutz, in dem er sich zurückzieht und Widerstand in seiner Partnerbeziehung leistet.

Ich bin, wie ich bin

Wir glauben, dass Selbstachtung und Glück von der Bestätigung durch andere kommen. Dies ist eine falsche Überzeugung, denn diese Verhaltensweise schmälert unsere Selbstachtung, wobei wir uns verbiegen wie der Bambus im Wind. Um jedwede Missbilligung auszuschließen, gehen viele Ehepartner fremd, sie schlafen mit anderen, umsorgen selbstlos Fremde, flüchten zum Griff nach Suchtmitteln oder geben z.B. unnötig Geld aus. Sie schmollen oder rechtfertigen dieses Tun in der Hoffnung, von ihrem Partner Bestätigung oder Aufmerksamkeit zu bekommen.

 



 
Viele Paare in unserer Gesellschaft funktionieren auf dieser Basis einer Co-Abhängigkeit. Dieses zu erkennen, ist nicht einfach. Auch ich als „Ratgeber“ musste mich erst selbst kennenlernen, um eigene „Co-Abhängigkeiten von anderen“ zu erkennen. Nur so konnte ich für andere, die bei mir Hilfe suchten, letztendlich auch die Hilfe geben, ihren gesuchten „Selbstwert“ zu finden.