…weint die Haut

Rolf-a8-1-150x150 in Wenn die Seele leidet ...

Rolf Goertz

 
Aus meiner Psycho-Sprechstunde
 

Vor mir sitzt eine 44jährige Frau, die bisher sehr gut durchs Leben gegangen ist. Eine starke und schöne Mutter ihrer zwei Kinder, die nach der Scheidung vor zwei Jahren von ihrem trinkfreudigen Mann erstmals in ihrem Sosein richtig aufblühte, sich selbst einmal wahrnehmen konnte.
 
Dieses neue freudige Alltagsleben änderte sich vor 2 Monaten, als Regressforderungen vieler Gläubiger ihres Ex auf den Tisch landeten. Gerichtsverfahren waren die Folge mit dem Ergebnis, dass sie selbst nicht mehr wusste, wie es weitergehen sollte. Ihre eigene Existenz und die ihrer Kinder war massiv bedroht.



 

Sie zeigt mir die seit einem Monat plötzlich aufgetretenen juckenden und nässenden Ekzeme auf ihrem Handrücken, in der Ellenbeuge ihres linken Armes sowie am linken Knie. „Diese Flecken werden immer mehr und größer“ erzählt sie mir verzweifelt. Sie fühlt sich bedrückt, zunehmend depressiv, nachts könne sie kaum mehr richtig durchschlafen.

Ursache – psychische Belastung?

Was früher von vielen Ärzten verneint wurde, dass hier ein Zusammenhang zwischen Ausbruch von Hauterkrankungen und „erlebten“ psychischen Belastungen – hierzu gehört auch Stress – bestehen könnte, scheint sich in neueren Studien zu bewahrheiten. So stellten Forscher in London am University College fest, dass Entzündungsvorgänge im Körper durch psychische Belastungsfaktoren vermehrt initiiert und ausgelöst werden können.



 

Den gleichen Zusammenhang bestätigten Forscher der Charite´ in Berlin. Diese psychischen Einflüsse auf Hauterkrankungen sind in den Leitlinien für Psychosomatische Dermatologie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft genannt.

Deshalb gilt auch bei allgemeinen Hauterkrankungen immer nach psychischen Belastungen der Patienten zu fragen. Zeigen sich in der Befragung einschneidende Lebensereignisse wie Konflikte, Trennung, Tod eines geliebten Partners, Stress etc., so können krankheitsbedingte Hautveränderungen die Folge sein.

Psychologische Hilfe holen

Mein Rat: Hauterkrankte psychologisch begleitend zu betreuen, ihnen Hilfestellung in ihrem „Alltagsleben“ zu geben, damit sie lernen, Zeit für sich selbst nehmen zu können, etwas zu tun, was ihnen Spaß macht; wie sie Anspannungen in Entspannungen überleiten können. Und das, was sie belastet, in Gedanken beiseite zu schieben. Denn all das, was sich aufstaut, kann nicht von der Seele verarbeitet werden.

Es hat sich gezeigt, wenn Hauterkrankte einfühlend mit Problem- und Konfliktlösungsstrategien sowie Entspannungstechniken vertraut gemacht werden, bleiben Gesundungsprozesse nicht aus. Aber auch dies braucht seine Zeit.



 

Kommentieren