Aus meiner Psycho-Sprechstunde

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Leben im Nebel – Foto: Polylooks 709056

Demenz – der Verstand verabschiedet sich langsam

Eine 54jährige Frau von kräftiger Statur sitzt mir in meiner Sprechstunde gegenüber. Sie schildert mir ihre aufopferungsvolle liebevolle Pflege ihrer demenzkranken Schwiegermutter, die noch alleine ihren eigenen Haushalt führt. Sie schildert mir Situationen, in denen ihre Schwiegermutter sie früher getadelt hat und heute alles gut findet. Sie selbst fühlt sich von der Rund-um-die-Uhr-Pflege ausgezehrt. „Es ist ja sonst keiner da, der dies übernehmen kann. Eine Pflegerin können wir uns nicht leisten. Und da ich beruflich nicht groß engagiert bin, bleibt alles an mir hängen. Hier auf dem Land ist das so. Ins Heim abschieben wollen wir sie auch nicht“, sagt sie pflichtbewusst.

Ihr begleitender Neurologe spricht mittlerweile von einer Alzheimer Erkrankung ihrer Schwiegermutter. Aber so genau kann er es auch nicht diagnostizieren. Wissenschaftlich tappt man immer noch im Dunklen. Wenn man auch sagen kann, dass die Erkrankung auf Grund von Eiweiß-Molekülverschiebungen und Eiweißablagerungen im Nervenzellgewebe ausgelöst wird, ganz sicher ist das nicht.

Es bleibt festzuhalten, dass unsere Gesellschaft immer älter wird. Demzufolge steigt die Anzahl von an Demenz erkrankten Personen jedes Jahr. Fast eine Viertelmillion Demenz-Erkrankungen werden jedes Jahr neu registriert. 60% davon sind Alzheimer Erkrankungen.
Die Frage nach dem Woher? und dem Wieso? kann heute immer noch nicht abschließend beantwortet werden. Heilende Medikamente gibt es noch nicht.



 

Demenz

Mit diesem Begriff beschreibt man den Verlust kognitiver, motorischer, sozialer und emotionaler Fähigkeiten. Wichtige Aufgaben des Gehirns wie das Gedächtnis oder das räumliche Orientierungsvermögen oder auch die Sprache funktionieren immer schlechter. Das Wesen des Erkrankten und sein Verhalten ändern sich zunehmend. Wortfindungs- und auch Orientierungsstörungen sind über einen langen Zeitraum – hier mindestens seit 6 Monaten – wahrzunehmen. Angehörige oder Freunde können dies bei genauerem Hinsehen feststellen.

Alzheimer

Fast 60% aller Demenzerkrankten leiden an der sogenannten Alzheimer Krankheit, geprägt von einem Absterben von Nervenzellen im Gehirngewebe, das schon in jungen Jahren beginnen kann, aber mit zunehmendem Alter zunimmt. Die gefäßbedingte, also vaskuläre Demenzerkrankung entsteht in Folge von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Häufigste Ursache hierfür sind kleinere oder auch größere Schlaganfälle, begleitet oft mit Taubheitsgefühlen oder Lähmungserscheinungen. Als Hauptursachen sind Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Rauchen, Diabetes zu nennen.

Alzheimer-Früherkennung ist wichtig

Da diese vaskulären Demenzerkrankungen plötzlich auftreten, ist eine sofortige Konsultation eines Facharztes gefordert, um dem Absterben von Gehirnzellen vorzubeugen. Als Warnsignale sind zu deuten:

Sprachstörungen  
Stimmungsschwankungen 
Vergessen kurz zurückliegender Ereignisse 
Abstreiten von Irrtümern oder Fehlern 

Genauso darüber reden

Die Früherkennung ist also wichtig. Hierzu gehört auch eine offene Kommunikation mit dem Demenzkranken, um ihm die Angst vor dem Wegdämmern zu nehmen. Auch wenn die Angehörigen oder die Pflegenden den Erkrankten auf Grund seiner umständlichen und unverständlichen oder auch symbolhaften Ausdrucksweise nicht richtig verstehen, so kann aber mit einer gewissen Empathie – Einfühlungsvermögen – dem Kranken verständnisvoll geholfen werden.



 

Angst nehmen

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Rolf Goertz

Ich rate meiner Klientin, sich selbst „Auszeiten“ zu nehmen, um sich regenerieren zu können. Die dafür notwendige Ersatzhilfe muss zu beschaffen sein. Denn es nutzt nichts, diese Pflege kraftlos zu tun. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass Erkrankte ihre kindlichen Genüsse von früher so richtig „ausleben“ können. Dafür nehmen sie sich ausgiebig Zeit. Das erfordert dann wiederum eine starke Antwort mit einer gewissen Art von Humor, die dem Erkrankten zeigt, er wurde verstanden.

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